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Kein Ruhestand in Sicht

Er selbst findet auf einer Briefmarke Platz, die lange Liste seiner Erfolge und Aktivitäten allerdings nicht. Butterfly-Partner Werner Schlager ist Österreichs erster Sportler überhaupt, dem im Jahre 2003 die Ehre eines eigenen Postwertzeichens zuteilwurde. Anlass für diese besondere Art der Verbeugung war der sensationelle Gewinn des Weltmeistertitels in Paris-Bercy.

Unsterblich auf drei Quadratzentimetern

Der Sonderdruck für einen Sportler war ein absolutes Novum in der Geschichte des Alpenrepublik, die ihre Champions bis dato vorwiegend im Skisport kürte. Die 55-Cent-Marke fasst das sportliche Vermächtnis des Ausnahmekönners auf rund drei Quadratzentimetern zusammen. Der inzwischen 39-jährige, mehr als 20-fache Staatsmeister sagt heute schmunzelnd: "Einen Traum als Sportler muss ich mir nicht mehr erfüllen. Ich lebe seit Paris 2003 meinen Traum." Wer den hochintelligenten Österreicher kennt, der weiß jedoch, dass der ehrgeizige Routinier weiterhin ehrgeizige Ziele verfolgt. Immer noch als Sportler, vor allem aber als Gründer und Initiator der Werner-Schlager-Academy in Schwechat, mit der sich der in Wiener Neustadt geborene Weltmeister noch in seiner aktiven Zeit ein bemerkenswertes Denkmal setzte, das instand gehalten werden will.

Ruhestand noch lange nicht in Sicht

Wenngleich Österreichs Ikone eingesteht, dass sein Trainingsaufwand "nicht mehr ausreichend groß ist, um sich zu verbessern, aber ausreichend genug, um ein gutes Top-50-Niveau zu halten", an Ruhestand denkt Werner Schlager nicht: "Für ein Karriereende gibt es keinen konkreten Ausstiegsplan, noch nicht." Ohnehin wäre der Ausstieg wohl eher ein nahtloser Übergang. Denn Teil zwei seines Tischtennis-Lebenswerkes steht mit der Werner-Schlager-Academy bereits auf solidem Fundament und wartet nur auf den Fulltime-Einsatz seines Chefs, der derzeit noch Spieler und Sportdirektor in Personalunion ist. Europas größtes privates Trainingszentrum hatte seit seiner offiziellen Eröffnung Anfang Januar 2011 bereits Gäste aus mehr als 100 Nationen zu Besuch. Derzeit bereiten sich aktuell rund 100 Spieler aus 22 Nationen in Schwechat auf die Weltmeisterschaften in Dortmund vor, darunter die Nationalmannschaften aus dem Reich der Mitte, die bei der Team-WM die Titelanwärter Nummer eins sind.

Schlager peilt bei der WM in Dortmund das Viertelfinale an

Im Jahr 2012 jedoch gilt vorerst noch die sportliche Konzentration Schlagers, der mit seiner deutschen Lebensgefährtin Bettina Müller und dem gemeinsamen Sohn Nick zusammenlebt, zwei ganz besonderen Turnieren: den Mannschafts-Weltmeisterschaften in Dortmund und den Olympischen Spiele in London. Für sein Gastspiel in Deutschland hofft Schlager, mit seinem Team im Viertelfinale vertreten zu sein. Allzu gern würde er auch zum ersten Mal mit Österreich auf die Medaillenränge vorstoßen: "Das Achtelfinale wäre mir persönlich zu wenig, das Halbfinale ist aber wohl ein eher sehnsüchtiger Wunsch." Ähnlich sieht er die Voraussetzungen für London. Auch dort zählt er Österreich und sich selbst nicht zu den Favoriten, aber zu den chancenreichen Außenseitern. Schlager weiß, wie wertvoll es ist, Erfahrung in die Waagschale werfen zu können: "Routine ist immer von Vorteil- egal, welches System man spielt. Es wird bei der WM und auch in London sehr viel davon abhängen, ob man zum richtigen Zeitpunkt voll konzentrationsfähig ist."

Immerhin sind es mentale Stärken, die Werner Schlager noch vor all seinen Weltklasseschlägen als das höchste Gut unter seinen vielen Fähigkeiten beschreibt: "Konzentrationsfähigkeit, Anpassungsfähigkeit, Kreativität, Routine, Gelassenheit, das sind die fünf wichtigsten Eigenschaften, die mir zu meinen Erfolgen verholfen haben", sagt der Wahl-Schwechater, dem als Einzelsportler bislang lediglich eine olympische Medaille versagt blieb. Zweimal jedoch gewann er das Europe Top 12 (2000 und 2008), erreichte 1999 das World-Cup und zehn Jahre später das EM-Finale, wurde WM-Dritter 1999 und gleich dreimal Halbfinalist bei Europameisterschaften. Hinzu kommen die Europameistertitel im Doppel und im Mixed an der Seite seiner österreichischen Partner Karl Jindrak und Liu Jia. Unsterblich machte ihn jedoch allein der Gewinn der Weltmeisterschaft 2003, mit respektablen Erfolgen über Olympiasieger Kong Linghui und den damaligen Titelverteidiger Wang Liqin, die ihn in China zum Superstar machten. Und zum ersten lebenden Sportler, dem der Staat Österreich eine Briefmarke widmete.